ES hat Neuseeland erreicht. Und es sorgt für, dass dieses so ferne Land, on dem wir gerade leben, für einen Moment seine Unschuld verloren hatte. Alles begann mit dem Klopapier. Denn das war plötzlich nicht mehr da. Genauso wie Toastbrot und Nudeln. Hatten wir etwas verpasst?

Neuseeländer lieben Toastbrot – besonders in Coronazeiten…
Und sie lieben es, barfuß einzukaufen, auch in Coronazeiten

Irgendetwas lag in der Luft. Und dabei gab es in ganz Neuseeland zu jenem Zeitpunkt nur zwanzig Coronafälle, auf der Südinsel, wo wir leben, sogar nur vier. Doch die Zahl stieg von Tag zu Tag, deshalb kündigte Primeminsterin Jacinda Ardern nun einen „four week nationwide lockdown“an und plädierte dabei vor allem an eins: Seid nett zueinander und helft einander:

https://www.stuff.co.nz/national/health/coronavirus/120502593/coronavirus-shutdown-is-all-about-trying-to-kill-covid19

Die Schulen sind ab heute geschlossen und Antonia und Helen machen nun auch digital learning, was hier kein Problem darstellt, da in Neuseeland Laptop, I-Pad und Smartphone zum Unterricht gehören. Außerdem lernen beide verstärkt für ihre Schulen zu Hause, den Stoff bekommen wir regelmäßig übermittelt. In vier Wochen nach dem hoffentlich Ende des level 4 der landesweiten Corona-Stufe werden beide dann noch einmal in ihre hiesigen Schulen zurückkehren, sofern keine Verlängerung des lockdowns ansteht. Kurz nachdem die news durch die Medien ging, klopfte es an unserer Tür – unsere Nachbarin stand dort mit einem Zettel in der Hand, auf dem ihre Telefonnummern und Skypedate standen: „“If you need any help…“.

Ein Tag vor dem Shutdown, Schlange stehen vorm Supermarkt

Wir haben Glück, denn wir leben hier nicht in der Stadt, sondern in einem Haus mit Garten und können den Supermarkt zu Fuß erreichen. Zudem können wir zwischendurch überlegen: Fahren wir heute zum Wandern in die Berge (die Southern Alps sind eine Stunde entfernt) oder an den Strand (der quasi vor der Haustür ist), in die Marlborough Sounds (zu den Fjorden) oder in den Regenwald (Abend Tasman NP)? Ich darf weiterhin morgens am Meer joggen und mit dem Sonnengruß am Strand den Tag begrüßen. Mittlerweile treffe ich dort immer die gleichen Menschen und wir grüßen uns – nun allerdings mit zwei Meter Abstand, dafür umso herzlicher, irgendwie verbindlicherem wissender, so als gehöre man zusammen. Anders als in Bondi Beach in Sydney muss hier glücklicherweise nicht der Strand wegen der Coronakrise wegen der Menschenmassen geräumt und abgesperrt werden, weil die Strände hier nie überfüllt sind, im Gegenteil. Oft ist man mit sich quasi allein. Und wenn es doch mal zu voll sein sollte (was bisher noch nie vorgekommen ist und während des Lockdowns wahrscheinlich erst recht nicht), fahren wir in die nächste Bucht oder nach Rabbit Island, zu einer vorgelagerten Halbinsel, einem Naturschutzgebiet, das abends seine Pforten für die Menschen schließt und dementsprechend ursprünglich ist; bei Low Tide malen wir ein Feld in den Sand und spielen Fußball (siehe unten). Das geht sogar zu dritt, denn Antonia wechselt nach jedem Tor die Mannschaft.

Am ersten Regentag seit unserer Ankunft auf der Südinsel hatten wir es tatsächlich endlich mal ins hochgelobten Museum von Nelson geschafft, das aktuell eine Ausstellung über den Mond zeigt, und Helen war schwer beschäftigt, den Astronauten der Apollo II Anweisungen zu geben und die richtigen Knöpfe zu drücken…

Helen koordiniert die Schaltzentrale der Apollo II
Der Mond ist aufgegangen…

Der Shutdown in Neuseeland wird zwar konsequent durchgeführt, man solle möglichst zu Hause bleiben, sonst würde er auch wenig Sinn machen, aber man muss sich nicht völlig isolieren, denn man darf „bubbles“ bilden, Blasen, innerhalb derer man sich bewegt, zusammen mit Freunden und Nachbarn. Heute waren unsere Nachbarn hier, mit denen wir uns angefreundet haben und fragten uns: Wollen wir eine Blase bilden? – Ja, wollen wir, unbedingt! Denn wir gehen oft spontan zu ihnen rüber und spielen Tischtennis, in einem Raum mit bodentiefen Fenstern, Stereoanlage und Blick zum Meer, wir waren mehrfach gemeinsam im Kino und sie bei uns mit weiteren Freunden und deren zwei Hunden zum Essen. Nach einer mehrjährigen Segelreise sind sie vor mehr als zwanzig Jahren in Neuseeland hängen geblieben und ihre beiden Kinder sind hier geboren. In unser „bubble“-Corona Zeit wollen wir nun abends öfter mal zusammen Tischtennis spielen. Oder Filme gucken. Oder zusammen kochen. Innerhalb der „bubble“ darf der Abstand sogar mehr als zwei Meter sein. Und sonst gehen wir eben alle zusammen ans Meer…

Eine Antwort auf „Leben in der "bubble"

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