Mehr als ein Jahr ist es her, dass wir nach Neuseeland aufgebrochen waren, und Antonia seufzte nach Silvester: „Nun kann ich nicht mehr sagen: Wir waren dieses Jahr in Neuseeland.“ Wir sind schon lange wieder zurück und doch oft noch dort. Im Geiste. Oder im Austausch mit unseren Freunden. Die Weihnachten auf und im Fluss verbracht haben. Kajakfahren und badend. Unser Radius hat sich radikal verkleinert: Von Neuseeland, am anderen Ende der Welt, von der Weite der Strände zurück in die Stadt und ins homeoffice. (Ok, etwas übertrieben, denn dazwischen lag ja noch ein sehr schöner Sommer…). Obwohl wir in Neuseeland den härtesten Lockdown weltweit erlebt hatten, hatte das Gefühl der Freiheit überwogen. Nun feuern wir uns gerade über jede Spur, jeden Hinweis, de wir aus NZ bekommen, der hereinschaut in unsere Heimat im Norden Deutschlands. So wie der Hauptdarsteller aus der Netflix Serie „Virgin River“, ein Bilderbuch-Neuseeländer wie aus einem Neuseeland-Bildband, Martin Henderson https://www.instagram.com/martinhendersonofficial/. Er ist – zumindest in seinen Videos – witzig, selbstironisch, naturverbunden und er trägt – natürlich – Flip Flops (jandals), postet Videos übers Sauerteig-Brotbacken mit seiner Filmpartnerin und ansonsten sieht man ihn – wo auch sonst als Neuseeländer – am, im und auf dem Meer. Die Serie spielt in den USA, wurde und wird aber bei Vancouver in Kanada gedreht und wenn ich die Bilder sehe, muss ich wieder an unsere Weltreise und unser schönes Holzhaus auf Vancouver Island denken…Ach ja, Fernweh…

Wir haben das Glück gehabt, die Welt zu bereisen, wirklich zu reisen und dabei inmitten der Fremde große Freiheiten zu genießen, und sind nun für lange Zeit auf uns und unser Zuhause zurückgeworfen, ähnlich wie jene, die gerade in Quarantäne in einem Hotelzimmer hocken (mit dem entscheidenden Unterschied allerdings, dass wir das Haus verlassen dürfen…). Ich kann dieses auf sich Zurückgeworfen-Dasein gut aushalten, denn es geht uns – im Vergleich zu vielen anderen – sehr gut. Wie gut es uns wirklich geht, in unserem Altbau-Viertel und unserer Albtbau-Wohnung, das haben wir vor allem auf den vielen Fernreisen, der Weltreise und ich auch auf manchen Drehreisen in fremde Regionen gesehen. Dass wir sehr komfortabel leben, das haben die Kinder mehrfach erfahren dürfen. Aber dass wir auch in Hamburg in einer sehr kleinen, exquisiten Blase leben, das sehen wir erst, wenn wir uns aus dieser Blase rausbewegen und andere Viertel Hamburgs erkunden.

In Zeiten des Lockdowns fahre ich so oft es geht (allein oder mit den Mädels) in Viertel Hamburgs, in denen ich zuvor noch nie war. Entweder mit dem Fahrrad, auf einer mehrstündigen Tour oder, wenn wir zu dritt unterwegs sind, mit einem Mietwagen und Inlinern im Gepäck. So haben wir Wedel kennengelernt (zum Ort selbst äußere ich mich nicht, aber die Elbe an dieser Stelle ist aufgrund ihrer Breite beeindruckend), den Klövensteen (wunderschön!) mit seinen vielen Reiterhöfen, Allen und Natur. Natur. Natur. Und einige andere weniger schöne Viertel, wo die angeblich „schönste Stadt der Welt“ sehr sehr weit weg war und dennoch nur ein paar wenige Kilometer entfernt. Was auffällt, immer wieder: Hamburg ist eine Stadt für Autofahrer. Egal wo man hinkommt, ob im Niendorfer Gehege, Wedel oder Klövensteen: Ein Auto reiht sich an das nächste, es wird um Parklätze gekämpft, gehupt, gedrängelt. Blechkarossen überall. Schön wird es erst, sobald den Autos der Weg versperrt wird und man sich nur noch zu Fuß, per Fahrrad oder per Pferd fortbewegen kann. Wir waren am Höltigbaum (hier müssen die Autos ebenfalls draußen bleiben, auf einem großen Parkplatz) und an der Tarpenbek und lernen so neue Seiten von Hamburg kennen. Nicht immer schöne Seiten, oft sogar gar nicht schön, sondern unfassbar hässlich, mit riesigen Wohnsiedlungen, grau, trist und zugebaut und von dicken Straßenschneisen zerschossen, aber dann entdeckt man doch wieder etwas Schönes, einen Park, eine Oase der Ruhe, einen Alsterableger. „Wir haben wirklich Glück, dass wir nicht so leben müssen,“ sagten die Mädchen nach einem der Ausflüge.

Um die Sehnsucht nach der Natur Neuseelands zu stillen und Weite zu erleben, das Meer zu sehen und dessen salzige Luft einzuatmen, bin ich an einem Tag spontan mit dem Zug auf meine Lieblingsinsel im Norden gefahren – nach Sylt. Der Wetterbericht sagte vier Stunden Sonne voraus und keinen Wind (und das auf Sylt!). Ich war quasi alleine im Zug, und die lange Anfahrt hatte sich gelohnt: Die Weite. Die Luft. Die Sonne und das Meer. Und – keine Autos weit und breit. Fast wie in Neuseeland..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.