Wir hatten zunächst Bedenken zurückzukehren und wollten es dennoch unbedingt, wir waren aufgeregt. Denn wir wollten zurück in „unser“ Haus, in dem wir die letzten Gäste waren, bevor das „bach“ (neuseeländisches Strandhaus) komplett saniert wurde. Das Haus liegt in der Golden Bay im Norden der Südinsel, eineinhalb Fahrstunden von Nelson entfernt, und wir bewohnten es während unserer Weltreise vor fünf Jahren. (https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Fruehstueck-mit-Giraffen/Bettina-Pohlmann/Blanvalet-Taschenbuch/e522736.rhd)

„Unser Haus „in der Golden Bay während der Weltreise 2015

Obwohl 25km zwischen dem charmanten Hippieort Takaka in der Golden Bay und Collingwood liegen, auf deren Strecke sich das Haus befindet und obwohl wir keine Adresse mehr hatten, erinnerten wir uns plötzlich an diverse Details. Antonia: „Kurz vor dem Abzweig standen Bäume links und rechts.“ Ich: „Und vorher kamen zwei Kurven.“ Außerdem war das „Mussel In“, die Kultkneipe, nicht weit weg gewesen. Und dann sahen wir es plötzlich, ein kleines Schild am Straßenrand, winzig, das zu der Auffahrt und dem Haus führt. Im Auto wurde es ganz still. Und dann waren wir da. Unverändert unscheinbar, in traumhafter Lage, direkt am Meer, das letzte Haus eines einsamen Strandabschnitts, mit Zitronen-und Apfelbäumen im Garten und einer großen Palme. Nun ist es komplett modernisiert und das kleine Außenklo, das wir so geliebt hatten, weil man von dort aufs Meer schauen konnte, war abgerissen, ansonsten fast alles unverändert. Da die Verandatür offen stand, Fahrräder am Haus lehnten und Handtücher auf der Wäscheleine baumelten, riskierten wir nur einen kurzen Blick und schlichen uns schnell wieder davon.

Danach gab es ein weiteres Déja Vue. Wir fuhren zum nördlichsten Punkt der Südinsel, nach Cape Farewell. Eine windumtoste Dünenlandschaft, in der einige Robben leben. Im Gegensatz zum Haus hatte sich hier nichts verändert, es stürmte noch genauso wie damals, Antonia und Helen rannten und sprangen die Dünen hinunter und wir kletterten hoch auf die Klippe, wie vor fünf Jahren. Ein Ort, der von der Landschaft her eher an Sylt als an Neuseeland erinnert, aber in jedem Fall einen Abstecher wert. Auch zum zweiten Mal. Mindestens genauso schön.

Die Robben haben wir diesmal erst auf den zweiten Blick entdeckt – Helen die erste auf einem Felsen, Antonia die zweite, die gerade aus einer Höhle herauslugte. Und dann kamen plötzlich immer mehr… Und ich stelle erneut fest: Wilde Tiere in freier Natur zu erleben und still zu beobachten, macht glücklich. Man vergisst alles um sich herum, genau wie die Tiere selbst, denen es in dem Moment egal war, ob wir sie anglotzten oder nicht. (Wir standen allerdings in gebührendem Abstand und flüsterten miteinander, um die Jungtiere nicht zu erschrecken).

Robben im Anmarsch…(naja, fast)

So stürmisch es am Cape Farewell war, in Collingwood, wo wir zwei Nächte verbrachten, geht es sehr beschaulich zu. Doch obwohl der Ort aus einer kleinen Ansammlung von Häusern besteht, gibt es sogar ein Museum! Und eine Tanzschule. Ich wäre gerne geblieben, dort oder in Takaka, denn es stellt sich sofort eine Ruhe ein, wenn man den Berg hinter unserem Standort Nelson überquert hat, die Serpentinen hinter sich gelassen, und die Golden Bay erreicht. Hier stehen viele der Häuser direkt am Strand, es sind nur sehr wenige Autos unterwegs und alle paar Kilometer werden am Straßenrand Blumensträuße, Obst oer Gemüse angeboten, an einem Stand, an dem niemand ist, sondern nur eine kleine Box hängt mit der Aufschrift: „Strawberries, 3$“. Man nimmt sich die Erdbeeren oder Blumen, Kartoffeln, Pflaumen und wirft das Geld in die Box. Es funktioniert. Am liebsten hätte ich an der Golden Bay unser Hauptquartier bezogen, doch wegen der Schulen der Mädchen habe ich mich für das etwas größere Nelson entschieden. Eine gute Entscheidung, findet Antonia, obwohl auch sie die Gegend der Golden Bay genau wie Helen sehr mag. Deshalb werden wir nicht nur an den Wochenenden öfter an der Golden Bay sein, sondern uns in den nächsten Ferien dort noch einmal ein Haus mieten, direkt am Strand, allein schon, um noch einmal zu Tracey zum Essen zu gehen, einer Engländerin, die seit vielen Jahren in Neuseeland lebt und vor sechs Jahren aus dem ehemaligen Krankenhaus von Collingwood ein kleines Hotel, eine Art Backpacker gemacht hat, mit einem Restaurant, das tatsächlich glücklich macht. https://www.zatori.co.nz

Man sitzt auf einem ausladenden Holzdeck und schaut auf in die weite Ebene in den Sonnenuntergang, aufs Watt und das türkisfarbene Meer in der Ferne und nach Sonnenuntergang beginnt der Tui zu singen, so als würde ein Mensch vor sich hin pfeifen, in immer wieder anderen Melodien (ich war die Nacht zuvor davon aufgewacht, weil ich dachte, vor unserer Terrassentür pfeift jemand…), der Blick und die Atmosphäre sind das eine, da schwelgt man schon, bis dann das Essen kommt! Dann versäumt man. Es gibt nur drei Gerichte, jeden Tag andere, und das Essen ist so gut, dass man im ersten Moment nie wieder etwas anderes zu sich nehmen möchte, um den Geschmack nicht zu verlieren.

Blick auf Collingwood von Traceys Restaurant

Und dann haben wir uns noch ein drittes Mal „back to the roots“ bewegt. Auf einer Wanderung zu einem Wasserfall. Die uns, fünf Jahre später, so kurz vorkam wie ein kleiner Spaziergang. Helen war das erste Mal vier und wahrscheinlich haben wir deshalb eher kurze Strecke gewählt, aber wie kurz auch immer die Tor war, sie hat auch zum zweiten Mal großen Spaß gemacht, denn es geht über Hängebrücken und über Steine und an Riesenfarnen vorbei. Vor fünf Jahren sah das so aus:

Antonia und Helen im Abel Tasman Park, Weltreise 2015

Und heute so:

Antonia und Helen im Abel Tasman Park, 2020

Das nächste Mal werden wir dann eine längere Wanderung machen, aber erstmal geht es in die Schule! Die hat heute begonnen, doch dazu ein andernmal. Und weil hier der Sommer gerade Einzug hält und es deshalb überall Erdbeeren und Aprikosen und Pfirsiche und Melonen und all diese leckeren Früchte gibt und wir das Glück haben, dass all das nach unserer Rückkehr in Deutschland noch einmal Angebote wird, was ich immer noch unglaublich finde, genauso wie die Tatsache, dass wir neun Monate Sommer vor uns haben, mit all seinen Farben. Das Blau des Himmels, das Grün der Farne und in dem Fall unten, das knallige Rot des Pohutukawa Trees – des neuseeländischen Weihnachtsbaums.

Eine Antwort auf „Back to the roots

  1. Das erinnert mich alle gerade so sehr an unsere Zeit zwischen Takaka und Cap Farewell. Wie schön, dass scheinbar alles immer noch so ist wie damals….

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